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Von Andreas Müller Durch einen Bericht der Stuttgarter Zeitung war gestern bekannt geworden, dass Schlauch und Steul seit dem vergangenen Jahr die Energie Baden-Württemberg (EnBW) beraten. Die Mitarbeit des ehemaligen Grünen-Staatssekretärs in dem Beirat fand ein geteiltes Echo. Der SPD-Landesgeneralsekretär Jörg Tauss nannte Schlauchs Schritt „wahrlich nicht sehr glaubhaft". Erst starteten die Grünen im Land eine Anti-Atom-Kampagne, dann engagiere sich einer der Ihren bei dem Stromkonzern mit vier Kernkraftwerken. „Mit Rezzo Schlauch bei der EnBW wird Atomstrom grün", spottete Tauss. Der Grünen-Landesvorsitzende Andreas Braun reagierte reserviert. Da Schlauch keine Parteiämter und Mandate mehr innehabe, sei „die Annahme dieser Berufung seine alleinige Entscheidung". Auf diese Weise sei gewährleistet, dass in dem Beirat nicht nur Atomkraftbefürworter das Sagen hätten. Ähnlich äußerte sich die Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag, Renate Künast: „Warum sollte man eigentlich solche Beiratsposten nur Atomkraftbefürwortern überlassen?" Ein anderer Abgeordneter sprach laut dpa von einer „ambivalenten Entscheidung". „Das ist ein typischer Schlauch", sagte er. Der Exstaatssekretär hatte gesagt, er bleibe Atomkraftgegner und wolle bei der EnBW den Ausbau erneuerbarer Energien vorantreiben. Auf scharfe Kritik stieß die Tätigkeit Willi Steuls vom Südwestrundfunk (SWR) in dem Beirat. Die SPD-Landtagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende des Landesrund-funkrats, Birgit Kipfer, äußerte „völliges Unverständnis" darüber. Der Beraterjob sei „in keiner Weise vereinbar" mit dem Posten des Landessenderdirektors. Als gegenüber den Redaktionen Weisungsbefugter dürfe Steul kein Unternehmen beraten, über das im eigenen Sender auch kritisch berichtet werde. Bei jedem Bericht müssten sich die Zuschauer künftig fragen, „ob sie die ganze Wahrheit erfahren oder ob im Interesse der Zusammenarbeit von SWR und EnBW womöglich Zensur ausgeübt wurde", sagte Kip-fer. Dies sei schädlich für das Ansehen des SWR und eine unzumutbare Belastung für die Redaktionen. Sie forderte Steul auf, den Posten als Beirat „umgehend niederzulegen". Am Abend teilte der Südwestrundfunk mit, dass Steul den EnBW-Beirat „mit Bedauern" wieder verlasse. Der Sender veröffentlichte ein Schreiben Steuls an den Konzernchef Utz Claassen. Darin begründet er seinen Schritt mit der Berichterstattung in den Medien. Der Landessenderdirektor betonte noch einmal, aus seiner Mitarbeit in dem Gremium sei „keinerlei Befangenheit meinerseits" abzuleiten. Dies beweise unter anderem seine Entscheidung, eine Gegendarstellung der EnBW nicht zu senden, sondern das Unternehmen auf die Möglichkeit einer Klage zu verweisen. „Wir beide wissen jedoch, dass nicht die Wirklichkeit zählt, sondern die vermittelte, selbst unzutreffend vermittelte Wirklichkeit", schrieb er an Claas-sen. Er betrachte es daher als seine Pflicht, „dem SWR eine sicher nicht objektiv geführte Diskussion zu ersparen" - zumal das Thema möglicherweise sogar im Wahlkampf instrumentalisiert werde. Er bedauere den Rückzug aus dem Beirat sehr, so Steul, „weil die dort behandelten Informationen und Kontakte für den SWR und mich persönlich von höchstem Interesse sind." | | | | | | | | | | Von Andrea Koch-Widmann | | | | | | | | | | Fast kein Versteck in Fahrzeugen ist mehr vor den Fahndern der Autobahnpolizei sicher. Mit Endoskopen äugen sie hinter Verkleidungen oder Hohlräume, spüren Diebesgut oder Rauschgift in den Verstecken auf. Immerhin 167,3 Kilogramm und somit rund 22 Prozent des im ganzen Land konfiszierten Rauschgifts stellten die Beamten der Fahndungstrupps auf den Autobahnen sowie an Tank- und Rastanlagen im Südwesten sicher. Erst vergangene Woche sei es gelungen, bei Kontrollen im Rhein-Neckar Kreis auf der A 6 und der A81 bei drei Zugriffen 23,5 Kilogramm Marihuana, 6,6 Kilogramm Cannabis und 500 Gramm Heroin zu beschlagnahmen, berichtete der Landespolizeipräsident Erwin Hetger vor der Presse. Zwei Dealer, das teilte gestern die Staatsanwaltschaft Heidelberg mit, sitzen inzwischen in Untersuchungshaft. „Der Erfolg gibt uns Recht", sagte Hetger zufrieden. Im vergangenen Jahr waren die Fahndungsdienste der Autobahnpolizei personell mehr als verdoppelt und konzeptionell neu ausgerichtet worden. Die Autobahnen haben sich laut Hetger zu einem „eigenen Kriminalitätsraum" entwickelt. Die großen Nord-Süd-Verbindungen wie die A5, die A7 oder die A81 und die West-Ost-Achsen A6 und A8 spielten bei Straftätern sowohl in der Planung als auch bei der Durchführung von Straftaten eine große Rolle - etwa beim Transport von Rauschgift aus den Niederlanden oder über die Balkanroute, aber auch bei Menschenschmuggel oder illegaler Einreise. Insbesondere seit der Osterweiterung der EU sei entlang der Ost-West-Routen die grenzüberschreitende Kriminalität weiter gestiegen. Deshalb gebe es auch vermehrt Schwerpunktaktionen etwa mit der Bundespolizei, dem Zoll sowie mit französischen Kollegen, unterstützt durch die Bereitschaftspolizei. Die Fahndungsdienste sind bei den Autobahnpolizeirevieren Stuttgart, Weinsberg (Kreis Heilbronn), Walldorf (Rhein-Neckar-Kreis), Zimmern ob Rottweil und im | | | | | | Erfahrung macht erfinderisch: mit speziellen Sonden suchen die Beamten in Autos nach versteckten Drogen. | | Foto Weise/factum | | | | | | | | | | badischen Umkirch (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) stationiert. Insgesamt 81 Großfahndungen und 58 Großkontrollen nahmen die 60 Beamten im vergangenen Jahr vor. „Zielgerichtet, intelligent und nach einem bestimmten Fahndungsraster", sagte Hetger, seien die Beamten vorgegangen. Mehr als 66 000 verdächtige Personen hätten sie kontrolliert und mehr als 90 000 Fahrzeuge überprüft. 765 Personen wurden vorläufig fest- oder in Gewahrsam | | genommen. 94 von ihnen wurden mit Haftbefehl gesucht, 238 zur Aufenthaltsermittlung ausgeschrieben worden, 407 Ausländer hatten sich illegal in Deutschland aufgehalten. 137 Waffen sowie umfangreiches Diebesgut - etwa 1600 goldene Ringe, 230 Goldketten, Elektroartikel - wurden aufgespürt. Der Landespolizeipräsident kündigte an, weitere 60 000 Euro für die Beschaffung moderner Technik zur Verfügung zu stellen. Dazu zählen etwa auch Sonden, mit denen | | bei Schleusungsverdacht die Kohlendioxidkonzentration in Lastwagen gemessen werden kann. Bis allerdings der störanfällige analoge Polizeifunk flächendeckend auf Digitaltechnik umgestellt sei, werde es wohl bis 2011 dauern. Zurzeit laufe das bundesweite Vergabeverfahren, Mitte des Jahres werde der Zuschlag erfolgen. Je nach Ausstattung sei für das Land mit Kosten von 280 bis mehr als 400 Millionen Euro zu rechnen, bundesweit wohl mit 2,5 bis 3,25 Milliarden Euro. | | | | | | | | | | | | | | Schwänzen ist kein Kavaliersdelikt mehr Im Unterland machen Behörden und Eltern mobil - Mehr Jugendliche fehlen in der Schule | | | | | | „Kein Attest von Margot Haussmann" STUTTGART (mh). Das Amtsgericht Stuttgart hat Medienberichte zurückgewiesen, wonach im laufenden Hunzinger-Prozess die Büroleiterin Margot Haussmann des damaligen baden-württembergischen Wirtschaftsministers Walter Döring (FDP) dauerhaft verhandlungsunfähig sei. „Uns liegt ein wenig aussagekräftiges ärztliches Attest vor", erklärte der Vizepräsident des Amtsgerichts Joachim Saam auf Anfrage. Die zuständige Richterin im Verfahren gegen den PR-Berater Moritz Hunzinger werde erst im Lauf der nächsten Woche über die Zeugenaussage entscheiden. Möglich sei, ein detailliertes ärztliches Gutachten einzuholen oder eine Aussage im Beisein medizinischer Betreuer. Möglich sei auch, die früheren Erklärungen Haussmanns gegenüber der Staatsanwaltschaft im Prozess zu verlesen und dann auf die Anwesenheit der Zeugin zu verzichten. Haussmann hat wegen Falschaussage vor dem Flowtex-Untersuchungsausschuss in der so genannten Umfrageaffäre, die zum Rücktritt Walter Dörings geführt hatte, einen Strafbefehl akzeptiert. Der PR-Berater Hunzinger wird in der Affäre ebenfalls der Falschaussage beschuldigt. Er hat einen Strafbefehl aber abgelehnt. Hunzinger erklärte, er habe vor dem Ausschuss nicht die Unwahrheit gesagt. Am Freitag wird in der Verhandlung vor dem Amtsgericht Stuttgart der frühere Wirtschaftsminister als Zeuge erwartet. | | | | | | | | | | HEILBRONN. Der Druck auf junge Lernverweigerer wächst. Die Landesregierung beginnt demnächst eine Informationsoffensive zum Schulschwänzen. Und im Unterland will ein behördliches Netzwerk auch die Eltern vermehrt zur Rechenschaft ziehen. Von Wieland Schmid Als Gymnasiast hat Wolfgang Seibold selbst gelegentlich die Schule geschwänzt, um sich vor gefürchteten Klassenarbeiten zu drücken. „Das war früher eher ein Kavaliersdelikt", entschuldigt er sich. Aber als Chef des Schulaufsichtsamts Heilbronn will er heute nicht mehr tatenlos zusehen, wie immer mehr junge Leute die Schulpflicht missachten. Weil nach seiner Ansicht „das Phänomen der Schulverweigerung heute viel hartnäckiger auftritt als früher", wollen der Leitende Schul-amtsdirektor und Kollegen aus anderen Behörden künftig gemeinsam nicht nur gegen hartnäckige Schulschwänzer vorgehen, sondern auch gegen pflichtvergessene Erziehungsberechtigte. Weil sie „lernen möchten, wie vielfältig das Problem des Schuleschwänzens auftritt", haben sich jetzt erstmals Schulleiter aus Heilbronn und dem Landkreis mit Vertretern von Polizei, Ordnungsamt, Jugendamt, Amtsgericht und Gesundheitsamt getroffen, um das wachsende Problem der „Schulabstinenz" zu erörtern. Zwei weitere jeweils eintä- | | | | | | gige Seminare sollen folgen. Dass das notwendig ist, bestätigt auch Manfred Scheer, der Rektor einer Grund- und Hauptschule in Neckarsulm. „Seit Jahren nimmt die Zahl der Extremschwänzer zu, die nach einem Tag in der Schule nicht mehr gesehen werden", klagt der Pädagoge. Auch der Berufsschullehrer Winfried Klingler schüttelt den Kopf über die „massiv" zunehmende Zahl junger Leute, die selbst die letzte Chance eines Berufsvorbereitungsjahrs nicht mehr nutzen: „Viele haben Motivationsdefizite und leben weitab jeglicher Realität. Und wir erreichen viele Eltern nicht mehr." Nach Klinglers Schätzung gelten fünf bis sechs Prozent eines Jahrgangs als „echte Risikogruppe". Noch in diesem Schuljahr will das badenwürttembergische Kultusministerium deshalb sämtlichen 4201 öffentlichen Schulen eine Broschüre mit dem Titel „Aktiv gegen Schulschwänzen" zusenden. Der Ratgeber enthält die jüngsten Erkenntnisse über die drei hauptsächlichen Ursachen für hartnäckige Lernverweigerung. Da wird nämlich nicht nur aus Unlust und Desinteresse geschwänzt, sondern auch aus „Schulangst" wegen Überforderung oder wegen Mobbings durch andere Schüler. Zunehmend rückt außerdem die „Schulphobie" ins Visier der Experten. Kinder dieser Kategorie haben weniger Angst vor der Schule als vielmehr Probleme mit ihren Familien. „Wenn ein Attestmarathon vorliegt, bestellen wir die Kinder mit den Eltern ein", sagt Klaus-Peter Axmann, der Leiter des Heilbronner Gesund- | | heitsamts. Bei angeblich ständig kranken Kindern können die Ursachen nach seinen Erfahrungen auch in sexuellem Missbrauch oder psychischen Schwierigkeiten der Eltern liegen. „Auch Wohlstandsverwahrlosung ist möglich, wenn die Eltern ihre Kinder mit allen möglichen Sachen zudecken, aber selbst keine Zeit für sie haben", meint Ax-mann. Das Gesundheitsamt schaltet dann zusätzlich das Jugendamt ein und informiert die Hausärzte der Familien. Wenn es hart auf hart kommt, wird zur Kasse gebeten. Vor zehn Jahren hat das Heilbronner Ordnungsamt noch 93 Bußgeldverfahren gegen Schulschwänzer und Eltern eingeleitet. 2005 waren es schon 177. Rekord waren bisher 250 Euro für einen Schüler, der 91 Tage lang geschwänzt hatte. Sein Vater musste weitere 300 Euro bezahlen, weil er sich weigerte, den Sohn in die Schule zu schicken. Auch die Polizei schaltet sich inzwischen verstärkt in den Kampf gegen das Schulschwänzen ein. „Notorische Schwänzer werden häufig kriminell", sagt Hartmut Gras-mück, der Leiter der Polizeidirektion Heilbronn. Voriges Jahr haben seine Beamten hunderte junger Leute auf den Straßen, in Kaufhäusern und Spielhallen kontrolliert und anschließend in den Elternhäusern angeklopft. Ertappt wurden etwa zwei Dutzend Schwänzer, über die ein „Antreffbericht" verfasst und an Eltern sowie Schulen geschickt wurde. Polizeichef Grasmück ist voll des Lobes über die „sehr gute Zusammenarbeit mit den anderen Ämtern". | | | | | | | | | | | | | | Gutachten: Leitfaden ist rechtswidrig HEIDELBERG (rer). Die Stadt Heidelberg ist ausweislich eines Rechtsgutachtens nicht verpflichtet, den umstrittenen Einbürgerungstest anzuwenden. Der Direktor des Heidelberger Max-Planck-Instituts für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, Professor Rüdiger Wolfrum, schreibt in einer gestern veröffentlichten Expertise: „Der Gesprächsleitfaden verstößt in seiner gegenwärtigen Form gegen die Rassendiskriminierungskonvention. Materiellrechtlich bindet er daher die Stadt Heidelberg als untere Einbürgerungsbehörde nicht." Wolfrums Mitarbeiter Volker Röben sprach bei der Vorstellung des Gutachtens in Heidelberg von einem „klaren Rechtsverstoß". Der Fragebogen diskriminiere eine bestimmte Gruppe von Einbürgerungskandidaten, nämlich Muslime. Im Januar hatte Heidelbergs Oberbürgermeisterin Beate Weber (SPD) angekündigt, den Fragebogen nicht anzuwenden, weil er gegen das Gleichheitsgebot im Grundgesetz verstoße. Daraufhin machte Innenminister Heribert Rech (CDU) in einem Brief an Weber auf seine Weisungsbefugnis gegenüber der Stadt aufmerksam. Zugleich verfügte Rech, muslimische Bewerber sollten nur in Zweifelsfällen mit dem Leitfaden konfrontiert werden. Der Einbürgerungstest enthält 30 zum Teil heftig umstrittene Fragen, etwa zur Einstellung des Bewerbers zu Homosexualität. In dem Gutachten heißt es, dass „Weltanschauung per se" keine Gefahr für die freiheitlich demokratische Grundordnung darstellen müsse. „Das bloße Haben einer Meinung ist solange keine Gefahr für die freiheitlich demokratische Grundordnung, als es sich nicht in konkreten Handlungen äußert, die gegen diese Ordnung gerichtet sind." Innenminister Rech sagte gestern, der Gesprächsleitfaden werde weiter angewendet. Das Gutachten werde aber geprüft. | | | | | | WAHLHAPPEN | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | Wieso sagt man eigentlich immer Wahlkreismandat? Im derzeitigen Landtag werden 25 der 70 Landkreise nur von einem einzigen Abgeordneten vertreten, alle anderen von mehreren. Pluralität ist also eher die Norm. 33 Wahlkreise schicken zwei Vertreter ins Landesparlament, elf sogar drei. Aus einem einzigen Wahlkreis haben es die Bewerber aller vier letztlich im Landtag vertretenen Parteien auf einen Abgeordnetensitz geschafft. Das war 2001 der Wahlkreis 9, Nürtingen. Für die CDU holt Jörg Döpper die Mehrheit und damit das Nürtinger Erstmandat. Zweitmandate erhielten Nils Schmid (SPD), Winfried Kretschmann (Grüne) und Ulrich Noll (FDP). Übrigens schafften diese vier den Sprung in den Landtag nicht zum ersten Mal, sie traten vor fünf Jahren bereits als Landtagsabgeordnete an - alle vier. tb ■ Elf Tage bis zur Wahl sind es noch; bis dahin lenken wir in dieser Rubrik das Augenmerk aufpolitische Superlative. | | | | | | Lebenshilfe pocht auf bessere Integration Selbsthilfeorganisation sieht Nachholbedarf bei der Förderung von behinderten Menschen | | | | | | | | | | STUTTGART. Die Förderung von Menschen mit geistiger Behinderung hat sich die Lebenshilfe Baden-Württemberg auf die Fahnen geschrieben. Vor der Landtagswahl am 26. März fordert sie eine bessere Integration schon vom Kindergarten an. Von Stefanie Järkel „Integration kann nicht verordnet werden, diese Entwicklung muss begleitet werden", sagte Andrea Lenkert-Hörrmann, Geschäftsführerin der Lebenshilfe Pforzheim Enzkreis, gestern in Stuttgart. Bei der Veranstaltung „Wir können alles. Für alle!" der Lebenshilfe Baden-Württemberg ging es um die Belange von behinderten Menschen. Im Vorfeld der Landtagswahl hatte die Lebenshilfe Landespolitiker, Kandidaten zur Landtagswahl und Vertreter der Lebenshilfe-Organisationen aus dem Südwesten zur Diskussion eingeladen. Am Rande der Veranstaltung übergab der Verein seine Forderungen an die Politiker. Für Lenkert-Hörrmann ist es ganz wichtig, dass die Integration von Menschen mit Behinderungen so früh wie möglich beginnt. „Wenn behinderte Kinder mit nicht behinderten Kindern aufwachsen, dann wird die Behinderung als viel normaler empfunden, als wenn der Kontakt erst später entsteht", erklärte Lenkert-Hörrmann. Deswegen sollten behinderte Kinder in die Konzepte für Kinderbetreuungsangebote, wie integrative Kindergärten, einbezogen werden. Das Ziel des | | | | | | men zu betreuen, und erst wenn es nicht funktioniert, eine andere Lösung zu suchen. Auch nach dem Kindergarten ist der getrennte Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern der Normalfall. „Bisher gibt es kein Projekt zur Integration in Schulklassen", sagte Rudi Sack, Geschäftsführer der Lebenshilfe Baden-Württemberg. Die Sonderschulen will die Lebenshilfe allerdings nicht abschaffen. Es sollte jedoch zuerst geschaut werden, „wie ein Kind nach seinen Bedürfnissen in einer normalen Schule unterrichtet werden kann", forderte Uli Bauder, Geschäftsführer der Lebenshilfe. Seit Anfang 2005 sind in Folge der Verwaltungsreform die Stadt- und Landkreise für die Behindertenhilfe verantwortlich. Die Lebenshilfe findet dies richtig, da „die Eingliederung der behinderten Menschen auch dort stattfindet", sagte Rudi Sack. Trotzdem sieht der Verein die Gefahr, dass das Land sich aus der Verantwortung zurückzieht. „Die Hilfe soll nicht von der Finanzlage der einzelnen Kreise abhängig sein", forderte Sack. Außerdem will die Lebenshilfe, dass sich behinderte Menschen auf kommunalpolitischer Ebene stärker engagieren können. Dies soll durch eine Weiterentwicklung des Landesgleichstellungsgesetzes ermöglicht werden. Mit dem Gesetz, dass seit 2005 gilt, ist der Verein nicht zufrieden. „Es bleibt weit hinter dem anderer Länder zurück", sagte Sack. „Baden-Württemberg sieht sich selbst als Land der Denker und Tüftler", sagte Lenkert-Hörrmann. „Wir wollen, dass diese Kreativität auch für den sozialen Bereich gilt." | | | | | | | | | | PERSÖNLICHES | | | | | | | | | | Rolf Gaßmann (55), steht für weitere zwei Jahre an der Spitze des Deutschen Mieterbundes in Baden-Württemberg. Die Mietertag wählte den SPD-Landtagsabgeordneten einstimmig zum Landesvorsitzenden. Der Stuttgarter Gaßmann will sich für sicheres und bezahlbares Wohnen besonders für Familien und gegen eine Verschärfung des Wohnungsmangels einsetzen. Der Verband vertritt 150 000 Mieterhaushalte mit mehr als 300 000 Menschen. | | | | | | Behinderte sollen nach Willen der Lebenshilfe besser gefördert werden. Foto Unkel „Kinderlandes Baden-Württemberg" sollte auch für Familien mit behinderten Kindern gelten. Derzeit werden behinderte Kinder im Normalfall früh von nicht behinderten Kindern getrennt, um beide in eigenen Gruppen zu fördern. Lenkert-Hörrmann fände es im Gegensatz dazu richtig, die Kinder zusam- | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | |
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